Auf dem Weg zum klimaneutralem Bestand

Maßstäbe für nachhaltige Sanierungen setzen

Zwei animierte Personen stehen auf einer Hebebühne.

Klimaschutz und soziale Verträglichkeit stehen bei der HOWOGE im Mittelpunkt ihrer Sanierungsprojekte. Die HOWOGE strebt bis 2045 einen klimaneutralen Gebäudebestand an – dies ist zentral in der Klimastrategie des Unternehmens. Neben innovativer Anlagentechnik setzt sie auf den Einsatz erneuerbarer Energien und die Steigerung der Energieeffizienz. Dies wird besonders bei zwei aktuellen Sanierungsprojekten in Berlin-Lichtenberg (Rhinstraße) und -Hellersdorf (Zerbster Straße) sichtbar.

Rhinstraße: In die Fassade integrierte PV-Module

Außenansicht der Rhinastraße, Blick auf die PV-Anlage.

Das Doppelwohnhochhaus mit 296 Wohnungen in der Rhinstraße 2 und 4 rüstet die HOWOGE aktuell zu einem Niedrigenergiehaus nach KfW-55EE-Standard um – das Projekt gehört zu den größten Sanierungsprojekten des Unternehmens. Die Sanierung ist geprägt von einer Vielzahl anspruchsvoller Maßnahmen, wobei die Entscheidung, das alte Wärmedämmverbundsystem auf der Fassade zu belassen besonders hervorzuheben ist. Üblicherweise wird solche Dämmung entfernt, was zu einer großen Menge Sondermüll führt. Stattdessen entschied sich die HOWOGE, die bestehende Dämmung weiter zu nutzen und darauf aufzubauen. Dies reduziert nicht nur den Abfall, sondern trägt auch zur Erhaltung der sogenannten grauen Energie bei – also die Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf, Wartung und Entsorgung der Baumaterialien sowie für den Bau selbst benötigt wird.

Ein weiteres Element der Sanierung in der Rhinstraße ist die Integration von Photovoltaikanlagen in die Vorhangfassaden. Erstmals gelang es der HOWOGE in ihrem Bestand durch ein umfangreiches Brandschutzkonzept die Anbringung der Photovoltaikanlagen an die Hochhausfassade bereits im Vorfeld der Ausschreibung der Bauleistungen bauordnungsrechtlich zu lösen. Dadurch wird Planungs- und Kostensicherheit geschaffen. Die Photovoltaikanlagen sind nicht nur funktional, sondern fügen sich auch ästhetisch in das Gesamtbild der Fassade aus recyclefähigen Keramikplatten ein.

Außenansicht der Rhinastraße, Blick auf die Balkone.

Es wurden darüber hinaus Abluftwärmepumpen auf dem Dach sowie eine Luftwasserwärmepumpe im Außenbereich installiert. Die auf dem Dach und an der Fassade angebrachten Photovoltaikmodule erzeugen auf einer Fläche von 1.700 Quadratmetern grünen Strom für den Betrieb der Wärmepumpen. Daneben hat die HOWOGE rund 9,3 Kilometer Heizsteigleitungen isoliert und die nunmehr dreifach verglasten Fenster und Balkontüren unterstützen auch den Schallschutz und damit die Wohnatmosphäre der Mietenden. Die vier Aufzugsanlagen wurden erneuert und die 2.200 Quadratmeter großen Außenanlagen neugestaltet.

Bilder: Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) mit langlebigen und recyclingfähigen Keramikplatten und integrierten PV-Modulen dient als zusätzliche Außendämmung.

 

Zerbster Straße: Effizienz durch vorgefertigte Module

Zwei Bauarbeiter stehen auf einer Hebebühne und bringen vorgefertigte Fassadenmodule an.

Bei dem im Mai 2025 abgeschlossenen Sanierungsprojekt in der Zerbster Straße 80-84 hat die HOWOGE im Rahmen eines Modellvorhabens erstmals das „Energiesprong"-Prinzip angewendet. Energiesprong (niederländisch für Energie-Sprung) steht für wirtschaftliche und serielle Sanierungslösungen mit vorgefertigten Fassadenelementen, intelligenten Heiz- und Lüftungsanlagen und mit PV-Anlagen ausgerüsteten Hausdächern.

Bei der Sanierung kamen seriell vorgefertigte Fassadenmodule in Holzrahmenbauweise zum Einsatz. Diese Module, die vollständig ausgestattet mit Fenstern, Rollläden und Verschattungssystemen geliefert. Das Hauptziel war baubedingten Staub- und Lärmbelastungen für die Mieter*innen zu minimieren und die Bauzeit zu verkürzen. Die aufwendigen Vorbereitungen ermöglichten eine reibungslose und effiziente Montage der Module.

Zur Energiegewinnung und Wärmeversorgung wurden Maßnahmen zur Entkopplung von der bestehenden Fernwärmeversorgung umgesetzt. Die Beheizung und Warmwasserversorgung des Gebäudes erfolgen nun über die im Außenbereich installierten Abluft- und Luftwasserwärmepumpen. Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und die Sole-Wasser-Wärmepumpe nutzen die Abwärme der Abluftanlage effektiv. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt die Wärmepumpen mit Strom und dient der Allgemeinstromversorgung. Zudem wird der erzeugte Strom auch als Mieterstrom angeboten – kann also von den Mieter:innen selbst genutzt werden.

Der Einsatz innovativer Technologien und regenerativer Energien soll eine wirtschaftliche und umweltverträgliche Bewirtschaftung des Gebäudes langfristig sichern. Die energetische Sanierung führte zur Verbesserung des Energieeffizienzstandards des Gebäudes von C auf A (KfW-Effizienzhaus 40EE).

 
Bild rechts: Zerbster Straße 80-84: Anbringung von vorgefertigten Fassadenmodule

Klare Kommunikation und soziale Verträglichkeit als Basis

Umfassende Sanierungsprojekte im bewohnten Zustand bergen besondere Herausforderungen, insbesondere auch in einer angemessenen Mieterkommunikation. Lärm, Staub und Nutzungseinschränkungen konnten durch eine regelmäßige und vorausschauende Mieterkommunikation zu den nächsten Sanierungsschritten sowie durch Vor-Ort-Betreuung durch die HOWOGE abgefedert werden. Die Mieter:innen wurden vor, während und nach der Sanierung umfassend und transparent informiert, beispielsweise durch Mieterversammlungen und regelmäßige Mieterinformationen. So hatten die Bewohner:innen die Möglichkeit, sich vorab detailliert über den Bauablauf und die zukünftige Gestaltung ihrer Wohnanlage zu informieren sowie jederzeit Fragen rund um die Modernisierung zu stellen. Nach Abschluss der Maßnahmen wurden technische Merkblätter bereitgestellt, um eine optimale Nutzung der neuen Systeme zu gewährleisten.

Auch nach der Sanierung bleiben die Wohnungen bezahlbar. Das Leistbarkeitsversprechen stellt sicher, dass die Belastung des jeweiligen Haushalts durch die Nettokaltmiete nicht mehr als 27 % des Haushaltseinkommens beträgt. Diese Leistbarkeitsgrenze wurde mit der seit 2024 geltenden Kooperationsvereinbarung bewusst von 30 % auf 27% des Nettohaushalteinkommen abgesenkt.